Montag, 27. Dezember 2010

Sydney - europäische Weihnachten im australischen Sommer

Weihnachten im Sommer ist abgefahrn. Weihnachtsgefühle kommen aber nicht so richtig auf - es fehlen Winter, Spekulatius, Dominosteine, vorm Kamin abhängen, Mamas Essen, der Weihnachtsbaum, Kerzen, Rituale und nicht zuletzt natürlich die Familie. Da das Gefühl aber nicht da ist, ists auch nur halb so wild mit dem Heimweh. Und da ist ja auch noch das Gefühl, dass man sich dafür entschieden hat, hier zu sein. Und da sind viele viele Leute, denen es ähnlich geht, die alle grad ohne Familie feiern und somit konnte ich mich mit Gleichgesinnten hier prächtig verständigen und mal ganz anders feiern.
4 Stunden in der Küche hab ich zugebracht, um Pasteten mit verschiedenen Füllungen zu machen - von Spinat Feta, Lachs bis zu Kürbis und Süßkartoffel oder Thunfisch. Vorspeisenbeauftragter für beide anstehenden Parties.

Summer in the Christmas-City

Party eins: eine ehemalige Kollegin vom TV in DDorf hatte zum Heiligabend in die (Hammer)Wohnung ihrer Tante geladen. 2 Freunde hab ich mitgebracht, sie hatte 2 Freunde dabei, ihre Tante auch noch 4 Leute eingeladen. Die Bescherung fiel dann klein aus, aber war dann auch schnell vorbei, somit konnten wir uns dem Essen, Trinken und dem Pool widmen. Heiligabend ein paar Runden im Pool zu drehn mit allemann  sehr unwirklich.
Nach diversen Telefonaten auf dem nächtlichen Heimweg gings dann morgens um 11 bei meinen irischen Freunden weiter - somit zu Party zwei, an einem der heissesten Tage, die ich je in Sydney hatte:
8 Leute, die ich, bis auf einen, alle von der Bananenfarm kenne, also quasi meine Tully-Familie am Start. Truthahn, Schinken, Kartoffelbrei, Gemüse - traditionell irisch und sehr lecker! Danach dann ein ausgiebiger Mittagsschlaf (gewisse Dinge von zu Hause sollte man einfach nicht abstellen) und dann ran an die Getränke. Gegen Abend verschwinden alle für ne halbe Stunde irgendwo - Skype lässt grüßen. Alle Familiengespräche erledigt? Dann auf zur Party im Nachbarhaus. Gefühlte vier Millionen Iren lassen an ihrem Ruf nichts zu wünschen übrig.
Alles in allem ein seltsames, aber doch angenehmes Weihnachtsfest, dank der vielen Leute, mit denen ich feiern konnte.
Jetzt gehts mit Riesenschritten Richtung Manila. Wenn irgendwer Tipps zu den Philippinen hat, bitte raus damit!
Vorher noch 4 Wochen Familientour und dann sollte im Februar in Deutschland bitte ein bisschen Sonne zu Karneval scheinen!!!

Fazit: Manchmal benötigt man einen Krisenmanager ohne viel Management - es hilft. Kopfsalat ade.

Mittwoch, 8. Dezember 2010

Fraser - Sydney

Fraser war der Knaller! Zwei Tage lang in nem 4-wheel-drive durch Sand, Geröll und Wasser heizen. Zwischendrin an super-Seen pausieren, die Sonne geniessen, den weissen Sand, das blauste Wasser - paradiesisch. Dingos solls da viele geben. Dann warn die wohl grad im Urlaub und haben an ihrer statt die Warane und Echsen voran geschickt, um uns zu erschrecken. Davon gabs mehr als genug!
Nachts haben wir auf einem Campingplatz gepennt, mitten auf der Insel. Ein nicht-bestellter Mörderregenschauer hat uns einmal ordentlich beim Goon-Trinken gestört, aber ansonsten wars echt ein super Trip. Danke nochmal an meine beiden Quizlooserkumpaninnen!
Von Fraser aus gings dann runter nach Sydney und ansich war der Plan, die Blue Mountains anzusehn, aber da gabs dann NebelNebelNebel und RegenRegenRegen, also direkt nach Sydney.
Die Zeit meines Autos ist abgelaufen. Also für mich. Ich hatte mich darauf eingestellt, eine Anzeige im Internet von unterwegs aus vorzuschiessen und dann in Sydney Hostels zu plakatieren und zu warten, zu hoffen, dass der Preis stimmt und es nicht zu lange dauert. Dienstag habe ich die Anzeige geschaltet, Mittwoch auf dem Weg nach Sydney haben sechs Leute angerufen, mit denen ich Termine für Donnerstag ausgemacht habe. Mittags habe ich dann den ersten getroffen. Zack. Verkauft. Für meinen genannten Preis. Keine Verhandlung. Eingestiegen, angeguckt, fertig. Anzahlung gezahlt und Samstag war er wech.
Großartig! Also schon ein komisches Gefühl, aber so reibungslos! Dann konnte ich mit der Anzahlung am Donnerstag Abend mit den Mädels nochmal ein bisschen vor die Tür gehn.

On the road IV

Seit Freitag bin ich wieder Alleinreisend. Das Wochenende hab ich bei einer Bekannten auf der Couch verbracht und gestern Abend dann hab ich ein Zimmer in einer WG bekommen. Ein bisschen ausserhalb, aber ganz nette Leute, die alle die Vermieterin genauso scheisse finden, wie ich. Internet - Waschmaschine - alles inklusive! Waschmaschine hat nur kaltes Wasser, Internet funzt gar nicht. Da muss nochmal geredet werden. Und das bei 190 Dollar die Woche... Sydney halt. Immerhin hab ich nun eine Unterkunft über Weihnachten und Silvester, muss mich nicht auf die horrenden Hostelpreise einlassen (teilweise 150 Dollar in einem Sechsbettzimmer für EINE Nacht!!!!!!) und kann Freunden für die Zeit noch Asyl gewähren, da das Zimmer echt groß genug ist. Jetzt beginnt das alte Lied - Jobsuche. Ich hab gestern eine WhiteCard gemacht, die man in Australien braucht, um auf einer Baustelle zu arbeiten.
Dieser Kurs ist eigentlich einen eigenen Artikel wert, ich versuchs mal kurz und knapp -
6 Jungs, ein "Lehrer". Peter. Untersetzter Endvierziger, selber Bauarbeiter. Morgens um neun, nachdem wir alle unsere 100 Dollar an die Agentur gelatzt haben: "Jungs, das Gesetz schreibt folgendes vor: ihr müsst sechs Stunden mit mir hier sein. Wir werden jetzt ne Menge Videos gucken, am Ende gibts einen Test, den ihr jetzt auch schon machen könntet, weil die Papiere dazu geb ich euch jetzt und die dürft ihr dafür auch verwenden. Wenn ihr Rauchen wollt oder sonstwas, geht. Aber vergesst nicht, wiederzukommen. Und nicht einschlafen. Zwei Leute haben bei mir in den letzten 10 Jahren die WhiteCard nicht gekriegt. Der eine hat geschnarcht, der andere hat vergessen, wiederzukommen, nach seiner siebten Zigarette in zwei Stunden. So, ich mach mal ein paar Videos an." Wir gucken Baustellenunfälle, die von der Regierung von Neusüdwales nachgestellt werden, um vor Gefahren zu warnen. Nach einer Stunde: "So, wir machen mal ne Pause!" Nach der Pause weitere Videos, u.a. von Paralympics-Teilnehmern, die erzählen, wie sich ihr Leben verändert hat, nachdem der Unfall, der zur Behinderung geführt hat, passiert ist. Mittagspause. Dann erzählt Peter uns ein paar Anekdoten von seiner Baustelle, zB, dass ein Backpacker auf einer Nachbarbaustelle mal den Gabelstapler geklaut hat, einen Maurer umgefahren hat und jetzt 80.000 Dollar Strafe zahln muss und zwei Jahre in den Knast und der Unternehmer, der ihn eingestellt hat, 750.000 Dollar Strafe. Dass Mobbing zu Mord und Massaker führen kann, so wie 1991 bei einem Amoklauf hier in der Ecke (ich hab mal ein paar der Dinge aus Interesse aufgeschrieben und bis auf exakte Zahlen stimmten sein Geschichten ALLE!!). Dass sein Bruder jeden Sonntag säuft und sich Montags krankschreiben lässt. Undundund... Also alles hat irgendwie mit dem Beruf zutun, aber recht unterhaltsam. Und dass der Staat sowieso mit der Mafia zusammenarbeitet, weil er ja als Unternehmer auch 750.000 Dollar Strafe zahlen müsste, wenn ein doofer Backpacker einen Gabelstapler klaut. Mafia.
Um halb drei dann, also eine Stunde zu früh, sind wir mit dem 11-Fragen-Test und allem weiterem durch. Einer von uns war aus Mexico und hatte nich alle Fragen verstanden, da is dann Peter mal eben raugegangen, so dass sein Banknachbar alles fertig gemacht hat. Ich war letzter im Raum und Peter meinte nur, ich solle bitte die Tür zumachen, er müsste jetzt noch eine Stunde warten, weil wir ja noch nicht fertigsein dürften.
Soviel dazu.
Dann werd ich wohl die Woche mal versuchen, einen Bauunternehmer in den Ruin zu stürzen.

Fazit: Melbourne bleibt meine Lieblingsstadt, auch wenn jetzt grad endlich echter Sommer ist!

Donnerstag, 25. November 2010

Melbourne - Canberra - Sydney - Rainbow Beach

Back on the road. Mit Marion gings von Melbourne aus nach einer großartigen Abschiedswoche mit Russendisko und Sushi-Overkill erst Richtung Great Ocean Road und von da aus dann weiter hoch nach Canberra. Bis auf die schönen Museen und das für mich beeindruckende Parlament haben aber alle, mit denen ich vorher gesprochen habe, Recht. Canberra ist unterm Strich langweilig, wirkt angelegt und steril. Wenn man 2 Super-Städte um die Ecke hat, die beide an Kultur, Szene und Variation nicht zu überbieten sind und zudem am Meer liegen, ist es schon verwunderlich, dass man eine Dritte gebaut hat, damit sie Hauptstadt wird. Hätten sich die Aussies mal einigen sollen....
Zwischen Canberra und Sydney gings dann noch nach Eden auf Wal-Tour. Unbeschreiblich schön. (siehe Antenne-Blog) In Sydney war dann ein bisschen sightseeing angesagt, neuer Besuch aus Deutschland ist am Start und dann gings in den Busch. Da ich auf der Reise mit Silvia keinen besseren Ort als Seal Rocks kennengelernt habe, bin ich mit den drei Mädels wieder da hochgefahren. Und es hat sich gelohnt.
Gestern sind wir dann in Rainbow Beach gelandet, nach kurzem Stopp in Byron Bay und haben Fraser Island gebucht. Morgen gehts dann mit einem Jeep ab auf die Dingo-Insel.
Der Sommer ist nun endlich da und ich stehe kurz vor dem Autoverkauf und sehr kurz wieder davor, arbeiten zu müssen. Obs Sydney wird für den Dezember steht noch nicht fest, vielleicht bleib ich auch einfach an der Ostküste irgendwo hängen und ihr werdet meinen Namen bald in Zusammenhang mit "Super-Welle", "Surf-Talent" und "Weltrekord" in deutschen Fachzeitschriften lesen.

Fotos heute keine, bei Antenne gibts welche von Walen und Delfinen...

Fazit: bin eher off - als online zur Zeit. (kein geld, kein empfang)

Mittwoch, 27. Oktober 2010

Melbourne - Goodbye-Fotos

3 Monate Melbourne - schon vorbei. Am Anfang noch im Winter im Auto geschlafen, ohne Job, wenig Geld. Dann eine WG gefunden mit zuviel Arbeit, um wirklich zu geniessen. Jetzt in einer Hammerwohnung mit geregelten Arbeitszeiten und vielen neuen angenehmen Leuten.


Melbourne - surroundings


Fazit: Man soll gehn, wenns am Schönsten ist.

Samstag, 9. Oktober 2010

Melbourne - Nervenkitzel Bulli-Registrierung

Zur Erklärung ein paar Dinge vorweg:
Mein Bulli ist nicht mehr der neuste, von 1999, rostet hier und da, es tropft auch schonmal rein aber er hat erst 125.000 Kilometer von Australien gesehen. Das ist nicht viel für diese Verhältnisse, allein auf mein Konto gehen 10.000 km aus den letzten 6 Monaten!
Er hat eine Registrierung (Rego) aus New South Wales (NSW), das ist der Staat, wo Sydney liegt, im Südosten des Kontinents. Diese Registrierung in NSW erfordert eine Roadworthy, also quasi eine TÜV-Plakette, dann eine Versicherung und schliesslich die Registrierung bei der Road and Traffic Authority (RTA). Die Rego lief am 02.10.2010 ab. Als ich ihn am 01.04. von einem französischen Pärchen gekauft habe (mittlerweile glaub ichs auch, also dass die Sache mit dem Datum was mit dieser ganzen Geschichte zutun hat), haben die mir versichert, dass ich nur zur RTA gehn müsse, denen meine Papiere gebe und die dann den Namen auf der Rego ändern und der Bulli MEIN ist.
Ich war blauäugig, hab mich nicht richtig informiert. RTAs gibts natürlich nur in NSW, wo der Bulli zugelassen ist. Tully, also Bananenhausen, liegt aber im hohen Queensland. Ummeldung unmöglich. Neuanmeldung möglich - Kosten? Unbeschreiblich. "Wenn Sie innerhalb von 14 Tagen den Wagen nicht auf ihren Namen umschreiben, kostet Sie das 99$ Strafe." steht im Kleingedruckten. Naja, lieber n Hunni als 800$! Also einfach nicht umschreiben, muss ja im Oktober sowieso passieren.
Melbourne liegt in Victoria, dem kleinsten Staat Australiens ganz im Süden. Eine Neu-Anmeldung hätte mich hier nicht viel gekostet, habe ich dann vergangene Woche recherchiert, da es ja Zeit wurde. Auch hier braucht man eine Raodworthy. Beim Termin in der Werkstatt der Schlag ins Gesicht. Der kleine Mann in blauer Latzhose mit Riesen-Sonnenbrille war total freundlich, musste mir aber leider eine Minute nachdem ich auf seinen Hof gefahrn bin sagen, dass seine Kosten den Wert meines Bullis übersteigen würden. Neue Windschutzscheibe (Riss), neue Heckklappe (Delle), Rost, Rost, Rost,... "Aah, NSW-Rego? Fahr doch dahin, die sind da nich so! Da kriegste den durch."
Gut. Das Festival, was am Wochenende auf dem Programm steht ist in Deniliquin(320 km nördlich), direkt hinter der Grenze in NSW. Erstmal ein Tiefschlag, aber noch nicht ganz verloren. Termin für Freitagmorgen ausgemacht. Da wollte ich ansich schon neben dem Bulli auf einer staubigen Wiese sitzen, den Grill anschmeissen, die Beine hochlegen und ein Döschen Bundy aufreissen, aber das kann warten.
Ankunft Werkstatt NSW. "Ja, lass ma hier, ruf dich in 3 Stunden an, dann sag ich, was gemacht werden muss." Puh, kein niederschmetterndes Urteil nach 3 Sekunden. Immerhin.
Auf zur Versicherung. Junger netter Typ im Polohemd, grade seine Ausbildung angefangen. Einzige Versicherung im Dorf, wo JEDER hingeht und ein Fremder natürlich auffällt.
Klar, Versicherung, kein Thema, was für ein Auto? Ah so, ja, das macht dann 430$. Gut. Hatte ich eingeplant. Ja, dann noch ein paar Details, wo wohnst du?
Ich hatte vorher damit gerechnet, dass ich einen Wohnsitz in NSW benötige und direkt die Hosteladresse von einem Kumpel aus Sydney parat. Aaaah, Sydney! Schöön, das ist aber leider Stadt und da würd es dann 850$ kosten. Ups. Er geht zu seinem Chef, sie beraten sich. Was ist mit diesem Backpacker zu tun? Er kommt zurücl und rät mir, bei der örtlichen RTA-Stelle nachzufragen, was zu tun sei.
RTA: Der Mann im Anzug sagt, dass er keine Versicherungen verkaufe und wenn ich nicht beweisen könne, dass ich in NSW wohnte, würd ich bei ihm schonmal gar nix kriegen. Aha. Beweise will der. Also entweder eine Rechnung von einem Hotel oder jemanden mit einem NSW-Führerschein, der Zeugnis ablegt, dass ich bei ihm wohne. Oh weia. Das war mal wieder ein Tiefschlag. Draussen steht ein paar Jungs um ihre "Ute" herum, die sich grad eine Tagesanmeldung für das Festival geholt haben.Doch die kommen auch aus Victoria und bedauern meine Situation. Keine Hilfe.
Mein Versicherungs-Bubi empfiehlt mir ein Motel im Ort, wo ich sicherlich eine Quittung kriegen könnte und die bestätigen würden, dass ich da wohnte. Er könne leider nicht, er wär noch nicht volljährig, Sehr rührend, wie er sich um den bekloppten Deutschen kümmert.
Auf dem Weg zum Motel ruft mein Werkstatt-Mann an. Tjaaaaa, also ne neue Windschutzscheibe müsse her, er habe schon alles abtelefoniert, aber wär schon alles dicht, wegen des Festivals und die, die offen haben, hätten keine. Frühestens Dienstag. Oh. Da hätte er dann alles fertig. Ich fange an, zu bohren, ob er mir die Roadworthy nicht so geben könne, wenn ich ihrm versichere, dass ich mir in Victoria eine neue Scheibe einbauen lasse. Alaso, er kenne mich ja nicht und wenn ich angehalten würde und die Cops meine Rego überprüften, wäre er am Arsch. Er würds machen, wenn da nicht das Festival wäre (Polizei überall!). Schade.
Also räum ich meinen Bulli aus, bin heilfroh, dass mein Kumpel vom Radio, Oliver, nicht alle Sitze aus dem Wagen seiner Freundin ausgebaut hat (er rief mich an, als mein Auto grade in der Werkstatt abgegeben war und fragte, ob alles glattginge, dann würde er nämlich keinen Extra-Sitz mitnehmen. Ich: KLAR! Brauchste nicht!) und die beiden mich mitnehmen konnten. Ab zum Festival, Bundy, Wiese und Entspannung geniessen.
Mein Mitbewohner Stephan aus England hatte zum Glück keinen Job und sich gestern nach Fiji verabschiedet und spontan zugesagt, mich "mal eben" da unter der Woche abzusetzen. Also noch ein Tag beim Radio freigeschaufelt. Donnerstag. 6 Uhr wollte ich los, da ich unglücklicherweise um 18 Uhr wieder den Eislöffel schwingen musste. Steph ausm Bett geprügelt, in sein Auto - Klick. Klick. Klick. Na herzlichen Glückwunsch. 90 Minuten und einen Nachbarn MIT Kabel und MIT Auto, der ENDLICH sein Haus verlassen hat, später gings dann los. 4 Stunden. Dank meines reichen Erfahrungsschatzes hab ich Steph gezwungen, zu warten. Man weiss ja nie.
Werkstatt: alles glattgegangen. Schicke neue Scheibe, 130$ mehr als erwartet, aber alles im Rahmen. Versicherungs-Bubi: alles glattgegangen. Einfach selbstsicher die Adresse eines Campingplatzes in Deni genannt.Auch er freut sich, dass es zu klappen scheint.
RTA: Unterlagen sehen gut aus. Doch mein selbsticheres Auftreten scheint die Dame nicht zu beeindrucken. Ein Beweis muss her. Mist. Ich fahre also mit meinem (unangemeldeten) Bulli zum nächsten Campingplatz und versuche mein Glück. Die alte Lady guckt skeptisch und lehtn ab. Mist! Der nächste Campingplatz liegt mitten in der Pampa, sagen die Strassenschilder. Hin. Frage vorgetragen mit aller mir zur Verfügung stehenden Verzweiflung im Gesicht. Sie zögert lang, will nicht, macht es aber am Ende doch. Jetzt bin ich für eine Woche Bewohner ihres Campingplatzes. Grossartig.
RTA: Ja, das sieht gut aus. Die Dame gibt alle Daten in ihren PC ein und kriegt große Augen. Meine Rego sei leider im Mai gecancellt worden. Mein Vorgänger habe zuviele Strafen kassiert und da habe die Behörde einfach die Schilder gesperrt. Mir geht der Mund nicht mehr zu. Sie flüstert, weil der Raum voll mit schweigenden Menschen ist, ich solle mal schnellstens meine Schilder abmontieren, zur Werkstatt fahren, zur Versicherung gehn, mir neue Papiere holen und dann neue Schilder bei ihr kaufen. Ich werd bekloppt. Da mach ich mir monatelang Gedanken, dass der Wagen nicht auf meinem Namen fährt und er darf eigentlich GAR nicht fahren!
Steph reichts. Ich entlasse ihn, weil ich mir sage, dass ich ohne meinen Bulli hier sowieso nicht mehr wegfahre. Also fahre ich zur Werkstatt (Ja, ich fahre. Hab ich schliesslich die letzten 5 Monate auch gemacht!), hole mir ein neues Zertifikat, das jetzt nicht mehr zur Ummeldung, sondern zur NEU-Anmeldung benötigt wird, zahle schlappe 25$ dafür. Bei der Versicherung brauche ich nur einen neuen Wisch. Reibungslos.
Alles liegt jetzt auf einem Haufen bei der RTA-Frau. Daneben meine Schilder, die ich vor der Tür abmontiert habe. Während sie tippt, fragt sie "Sind Sie schon viel rumgekommen?" Ich guck argwöhnisch und realisiere nicht, dass sie SmallTalk machen will, weil ich so angespannt bin und denke, was zum Kuckuck hat das jetzt schon wieder zu bedeuten!!! Erst in dem Moment, in dem ich meine Kreditkarte durchziehe und meine Pinnummer eingegeben hab, kann ich ausatmen. Sie sagt, ich solle jetzt mal in Ruhe ein Bier trinken gehn und ich merke, dass sie wohl gemerkt hat, wie angespannt ich war.





Meine neuen Schilder sind furchtbar hässlich, aber kosten nur die Hälfte von den schönen, die ich vorher hatte.

Fazit: Die 99 $ Strafe musste ich nicht zahlen. War ja eine Neuanmeldung. Mit Dank an meine französischen Freunde, die nun nicht mehr meine (Facebook)-Freunde sind. Merde!

Dienstag, 5. Oktober 2010

Deniliquin - I´m an Aussie!

Deutsche Festivals haben wir ja alle schon mal erlebt - viel Bier, viel Musik, Zelten, Grillen, gute Laune. In Australien kennt man das so an sich nicht, da man hier zum Beispiel in der Öffentlichkeit nicht trinken darf und Festivals meistens einen Tag dauern. Aber es gibt Ausnahmen. Mein Arbeitskollege Oliver hat mich also gefragt, ob ich nicht mit nicht mit ihm und seiner australischen Freundin ein solches Festival besuchen wolle.
Das Deni Ute Muster (sprich “Denni Jut Master“) Deni für Deniliquin, das ist der Ort und eine Ute ist das australischste Fahrzeug, was es auf dem Land gibt. Ein Zweisitzer mit Ladefläche (siehe Fotos). Das Gute an dem Festival ist, dass man nicht zwingend eine Ute braucht, um teilzunehmen. Freitagmorgen, 10 Uhr, Abfahrt. 300 Kilometer - 3einhalb Stunden nördlich - Deniliquin. Ein Kuhkaff, bevölkert mit Utes und Verrückten. Das Festivalgelände liegt 3 km außerhalb des Orts, denn an Platz mangelt es ja im australischen Hinterland nicht. Ein Riesenzeltplatz, wie bei deutschen Festivals auch. Nur dass hier über 10.000 Menschen ihre Ute mitgebracht haben. Weitere 20.000 campen wie wir, oder haben ein Wohnmobil, einen Wohnwagen, riesige Zelte oder einen Reisebus mitgebracht. Wir sind auf der “Family-Campsite” untergebracht. Und “Familiy” heisst hier wirklich Familie. Babies im Kinderwagen, 10-jährige Cowboys mit der üblichen Ausrüstung (dazu später mehr), Jugendliche jeden Alters, Väter, Mütter, Omas, Opas - kurz: 30.000 Australier und 2 Deutsche.

Die Ausrüstung, um die man nicht herumkommt ist: Ccowboy-Hut, Flanellhemd oder Unterhemd, Jeans, Cowboystiefel und eine Dose Rum-Cola, hier von der Marke Bundaberg, also kurz: “Bundie”. Ich bin bei Jeans, Hut und Getränk stehengeblieben, Oliver ist schon das zweite Jahr hier und ein paar Schritte weiter.




I´m an Aussie!


Neben üblichen Festivalaktivitäten, wie Grillen, Trinken und Musik hören, gibt es hier an fast jedem Zeltplatz ein Lagerfeuer! Mitten im trockenen Busch. Und am Eingang wird Feuerholz in rauen Mengen verkauft. Die Temperaturen erreichen tagsüber um die 28 Grad in der prallen Sonne, aber nachts geht’s runter auf 4-8. Von daher sind die Feuer durchaus zu empfehlen.


Ansonsten gibt es hier Disziplinen, die die Macher von “Schlag den Raab” aufhorchen lassen dürften “Ute-Pulling”: 2 Teams schleppen mit einem Strick ein Auto ab, das schnellere gewinnt.

Holzhacken: Holzhacken. Auf Zeit.

Peitschenknall-Wettbewerbe: wer die Peitsche am lautesten und schnellsten knallen lässt, gewinnt. Rodeo: Bullenreiten. Mit Knochen brechen und Krankenwagen und australischem Meister und so.

Motorrad- Springer. 3 Typen auf Cross-Maschinen, die innerhalb von einer Stunde 88 Mal ihr Leben riskieren. Nur damit der Deutsche seine Fotos kriegt.

Dann bauen die Aussies riesige Bars in die Pampa, zweistöckig, mit Bühne und Millionen Dosen von Getränken. Abends spielen Bands, wir hatten das Glück, dass Cold Chisel Headliner waren. In Australien gibt es ganz vorn AC/DC, und danach so 2-3 Bands, die auf einer Stufe stehen und eine davon ist Cold Chisel. Dementsprechend singen alle mit. Alle. Ob Opa oder 18-jähriger. (Die Babies mal ausgenommen, die mit ihrem Bundie im Wohnwagen liegen.)

Einen Weltrekord fürs Guiness-Buch gabs auch noch: 3.500 Menschen in blauen Unterhemden.
Kein Kommentar.

Vor dem Festival hat mir Oliver, der seit 8 Jahren in Australien lebt, gesagt, das Ganze sei das Australischste, was er je gemacht habe. Auf dem Rückweg hat seine Freundin, die in Australien geboren ist und zum ersten Mal dabei war, mit einem müden Grinsen von sich behauptet:

“Now, I´m an Aussie!”



Fazit: Es ist Sommer

Freitag, 24. September 2010

Melbourne - 70-Stunden-Wochen

Von Null auf Hundert.
Vorher massig Zeit aber kein Geld, um was zu sehn, jetzt ein bisschen Geld und keine freie Sekunde mehr. Naja, ganz so schlimm ist es auch nicht, aber es kommt dem sehr nahe.
Melbourne ist eine Traumstadt - am Meer, ein riesiges kulturelles Angebot, Sportveranstaltungen ohne Ende und dann wirds auch noch (naja, viel zu langsam) Sommer.
Meine Tage sehn derzeit ungefaehr so aus: Nehmen wir einen Montag. Der ist immer der frueheste Tag bei SBS, um halb sieben steh ich auf der Matte am Federation Square, mitten im Zentrum Melbournes. Ich bereite die Sportnachrichten vom Wochenende vor, was zur Zeit natuerlich mit dem groessten Schwerpunkt auf die wiedergestartete Bundesligasaison eine Freude fuer mich ist. Nach dem Verlesen des Sport sitze ich regelmaessig in der Sendung und bin quasi Comoderator - Themen vom Beginn des Oktoberfests in Muenchen ueber "Manieren und Anstand" bis zum Jahrestag der Pleite der Lehman Brothers. Der Tag geht bis 16 Uhr, dann nach Hause, dann ab 18 Uhr in die Eisdiele bis 22 Uhr. Dienstags ist Abends Jugendsendung, die ich immer mitgestalte, jeden Tag gibt es Rubriken, die ich praesentiere, sei es das "Alpenpanorama" (der Blick in die Schweiz und Oesterreich), der Veranstaltungskalender fuers Wochenende oder den Blick in die regionale Presse.
So vergehn die Wochen ziemlich schnell. Samstags verkaufe ich von 12-24 Uhr Eis, Sonntags habe ich mir jetzt seit zwei Wochen FREI gegoennt. Einen Tag in der Woche muss der Mensch ruhn, steht schon im Weltbestseller.
Derzeit kaspere ich mit meinem Mazda rum, die Verlaengerung der Registrierung steht an - das koennte teuer werden, denn ich brauche dazu ein Zertifikat vom Mechaniker, das sagt, dass er noch ein Jahr fahren darf. Naechsten Mittwoch Daumen druecken, da bring ich ihn zum Auto-Doktor.... Mein Auszug aus der WG mit meinen Bananen-Kumpeln steht in 2 Wochen an, da uns einer verlaesst und wir uns zu dritt die Bude nicht leisten koennen - meine letzten 3 Wochen Melbourne werde ich voraussichtlich in einem Hostel verbringen.
Ansonsten beschaeftige ich mich ab und an mit meiner Rueckkehr, die wohl im Februar/Maerz sein wird - Fluege, Wohnung, Jobs, etc... (bei Jobangeboten, die finanziell so konzipiert sind, dass ich meine Rente mit 35, naja, vielleicht auch 32 einlaeuten kann, bitte eine Email an mich, genauso bei 3-Zimmer-Wohnungen in Duesseldorf, die unter 300 Euro warm liegen, entweder mit Rheinblick oder in Bilk am liebsten mit Bar, Badewanne, Bierkeller und (hab gehoert, die koennte nuetzlich sein) Spuelmaschine.)
Den grossen Trip werde ich nun definitiv auf den Philippinen beenden. Der Flug Sydney - Manila mit mir an Bord findet am 02. Februar statt. Wie lang ich mir die Inseln goenne entscheiden mein Konto und evtl. meine Jobaussicht - der Weiterflug ins Fruehjahr (!!!wenn da noch Winter ist, dann raste ich aus!!!) von Europa will noch gebucht werden.
Wer mal bei SBS reinhoeren will, kann die Seite checken, da stellen wir immer wieder Themenschwerpunkte oder Sendungen hoch, bei denen ich auch im Studio sitz. http://www.sbs.com.au/yourlanguage/german

Geburtstagsgeschenke bitte nicht in den Rhein oder Emmerbach werfen, mit der Hoffnung, "Kommt schon an...". Einfach aufbewahren - in der Garage parken, im Hangar lassen oder dem Mann hinterm Schalter sagen, dass ich die Kohle irgendwann abhole.
Fotos gibts heut keine, ich fotografiere viel zu wenig - Alltag halt.


Fazit:  Es geht rasend dem Ende zu.

Samstag, 18. September 2010

Melbourne - Ice, Ice, baby...

Ice Ice baby...


Nur eine kleine Fotostrecke aus meinem Eisladen... Noch ist es hier recht langweilig, da es einfach nicht richtig Sommer werden will, aber in den kommenden Wochen soll sich das fix ändern.
Ich hoffs.

Samstag, 21. August 2010

Great Ocean Road und News aus Melbourne - es geht bergauf!!

Die große Ozeanstraße ist wohl eines der touristischen Highlights von Australien. Neben Ayers Rock und Sydney bestimmt auch am berühmtesten. Nachdem meine Jobsuche nicht sehr erfolgreich war, habe ich mich kurzentschlossen mit meinem englischen Kumpel Arran, der aus Bananenhausen eingeflogen ist, auf den Weg gemacht, um auch ein paar Fotos zu schiessen und das triste Warten im eigentlich sehr schönen Melbourne zu unterbrechen.
Die Great Ocean Road geht von West nach Ost im Süden Australiens ungefähr 300 Kilometer. Wir sind von Melbourne im Osten direkt den kurzen Weg durchs Landesinnere an den Beginn der Route gefahren, haben da noch zwei Mädels aus den Bananen wiedergetroffen und haben die Strecke dann mit zwei Bullis in Angriff genommen.
Von Wallanganbee (oder so ähnlich) gehts die ersten 120 km durch grünes, hügeliges Gebiet, das immer wieder von "Lookout-Points", so Plattformen, wo man die verschiedensten Felsenformationen sehn kann, unterbrochen. Das Wetter war völlig verrückt - Regen, kalt, dann wieder Sonne und Tshirt. Ein ständiges Auf und Ab. Im Ausgangsort haben wir dann auch noch Pinguine entdeckt, zwar nur Zwergpinguine, aber doch mal wieder eine neue Spezies auf der Liste der "Tiere, dich ich schonmal in freier Wildbahn gesehn habe".
Nach unzähligen Fotostopps sind wir auf einem Campingplatz in einem Ort gelandet, wo es laut einer bayrischen Mitreisenden "die besten Fish&Chips Australiens" geben sollte. Sagen wir mal so: es war lecker.
Der zweite Teil der großen Ozeanroute dann ist so, wie ich mir das vorgestellt hatte. Eine gewundene Strasse direkt am Meer. Wahnsinnswellen, bestimmt fünf leuchtend-strahlende Regenbögen und Felsen und Klippen soweit das Auge reicht. Ein Stück weiter im Landesinneren warten dann noch ein paar Wasserfälle auf den Auslöser der Digitalkameras und dann gehts auch schon wieder in städtische Regionen, zurück nach Melbourne.


Great Ocean Road + Melbourne

Hier gibts eigentlich durchweg positive News. Vergangene Woche konnte ich nach 2 Tagen meine Karriere als Möbelpacker und Umzugshelfer beenden (Kurzarbeit, jeweils Tages-Anfragen durch eine Agentur) und morgen beginnt dann mein steiler Weg nach oben durch Schokolade, Zitrone-Käsekuchen, Krokant, Vanille, Minze, Mango-Papaya, Haselnuss und 143 andere Sorten.
Ich werde Eisverkäufer.
Bei Fritz Gelato in St.Kilda arbeitet man allein, ich werd morgens den Shop öffnen, zwischen 8 und 12 Stunden Eis an den Australier oder Touristen bringen und Abends mit dickem Bauch nach Hause kugeln (der Chef hat grade eben im Vorstellungsgespräch ausdrücklich betont, dass ich die Sorten alle probieren muss, um den Kunden Auskunft zu geben). Ja - nach Hause kugeln! Es gibt auch wieder ein zu Hause!
Ich wohne in einer WG mit 3 anderen Leuten, mit denen ich schon 3 Monate in Tully, in Bananenhausen verbracht habe. Die haben sich während meiner Tour über die Seestrasse um eine Bleibe gekümmert, so dass ich gestern nur noch einziehen musste. Ich teil mir ein Zimmer mit einem der britischen Jungs, ein britisch-irisches Pärchen wohnt in dem anderen, mein Kumpel Arran wohnt erstmal auf dem Sofa.
Und am Montag mach ich dann endlich wieder das, was mir eigentlich am meisten Spass macht - Redakteur sein. Da geht nämlich meine 8-wöchige Hospitanz beim Radiosender SBS los. Dazu dann beim nächsten Mal sicherlich mehr.
Das Schöne ist, dass meine Kalorienkarriere perfekt RadioRob passt, Radio gibts nämlich neben der täglichen Morgensendung Dienstags und Donnerstags Abends und kalte Freuden Mittwochs und Freitags Abends und am Wochenende. Ich würde sagen-es kann losgehn!

Fazit: die Achterbahn ist mal wieder auf dem Weg nach oben...

Donnerstag, 5. August 2010

Sydney - Byron Bay - Sydney - Canberra - Melbourne

Huch, jetzt ist schon August! Es rast alles so dahin. Die Reise mit Silvia hat uns, wie vorher ausgedacht, bis nach Byron Bay geführt und dann wieder runter bis Sydney. Zwischenstopps wie Nimbin oder ein nochmaliger Besuch in Seal Rocks und dem angrenzenden Naturschutzgebiet waren echte Highlights, genau wie der Koala-Park in Port Macquarie oder der beheizte Pool auf dem Campingplatz in The Entrance.
Die Reise hat uns am Ende noch 2 Tage in Sydney beschert, wovon wir einen genutzt haben, um uns die Stadt anzusehen (es hat durchweg geregnet und war schweinekalt, sehr schade für Silvia, da sie ja da nicht nochmal so schnell hinkommt) und am zweiten haben wir uns einen Campingplatz in Flughafennähe gesucht und sind nochmal schick Essen gegangen (natürlich italienisch :-).
Nach ihrer Abreise vergangenen Freitag bin ich noch eine Nacht in Sydney mit zwei Kumpels von der Bananenarbeit geblieben, um dann meine erste Bulli-Reise allein anzutreten. Google-Maps hat mir versichert, dass der Weg über Canberra durchs Landesinnere der kürzeste ist, also höre ich auch darauf. Ohne mir die weiteren Begebenheiten anzusehen. Erste Etappe: Sydney nach Canberra. Nach ca. 200 km, also rund der Hälfte fällt mir auf, dass der vorherige Abend doch zu lang war und ich entschliesse mich zu einem Zwischenstopp in Jervis Bay, einem Nationalpark mit angeblich schönem Strand. Da koch ich mir eine Kleinigkeit und schlafe 3 Stunden, um dann gegen 21 Uhr Abends in Canberra, der Hauptstadt anzukommen. Da stelle ich mich ins Regierungsviertel einfach vor den Regierungspalast und krabbel hinter unter alle Decken, die ich im Bulli habe, denn je weiter es ins Landesinnere geht, desto kälter wirds. Morgens schnell ein paar Fotos aus dem fahrenden Auto und dann ab auf den Highway, laut GoogleMaps noch rund 460 km. Tja, und dann hab ich nochmal die Karte genauer gelesen, weil mir so viele Autos mit Skiern auf dem Dach entgegengekommen sind. Snowy Mountains. Was das wohl heisst. Naja, es ist zwar Winter, aber ich bin ja immernoch in Australien und sooo schlimm wirds schon nicht werden. Es wurde schlimmer. Von Nieselregen auf 1.100 Metern, zu Schneeregen auf 1.300 zu Schnee auf 1.700 Metern. Ich befand mich auf einmal in einem Schneechaos. Der höchste Berg Austaliens ist 2.228 Meter hoch und ich war nur knapp 500 Meter darunter und 150 Kilometer entfernt.


On the road_III


Mein Sommer-Bulli hat dann schliesslich an einer ordentlichen Anhöhe gestreikt. Durchdrehende Reifen und ein durchdrehender Robert waren die Folge. Keine Chance. Umdrehen. 350 Kilometer mehr hiess dieser Umweg. Ärgerlich. Aber immerhin habe ich mal Schnee gesehen.
Montag morgen bin ich dann in Melbourne angekommen, Regen und kühle 13 Grad haben schon auf mich gewartet. Dennoch finde ich die Stadt schön und bei weitem nicht so schnell und anstrengend wie Sydney - grade im Auto.
Mein neues zu Hause ist ein Parkplatz am Strand im Süden der Stadt, geduscht wird im Schwimmbad, in einer BP-Tankstelle ist meine Toilette. In 2einhalb Wochen fange ich dann die Hospitanz beim Radiosender SBS an, bis dahin heisst es JOB SUCHEN! Bisher noch völlig ohne Erfolg, ich hoffe auf Besserung.

Fazit: Ein herzliches Dankeschön an den Staat Victoria, der eine 1a-Internetverbindung für umsonst inklusive Steckdosen für Handy und PC in der State Library of Victoria im Stadtzentrum anbietet - mein neues Teilzeit-Büro. Nur Rauchen und Essen darf ich nicht...

Donnerstag, 15. Juli 2010

von Pacific Paradise nach Sydney und von Sydney nach Hallidays Point

Weiter gehts, on the road... Von Pacific Paradise sind Laura und ich in großen Schritten nach Sydney gefahren. Da hab ich sie dann in einem Workinghostel abgesetzt, wo auch direkt ein Jobangebot am Start war - perfekt. Das SCHLAND-Spanien-Spiel habe ich dann erstmalig hier in Australien in echter WM-Stimmung genossen. FIFA-Fanfest im Darling Harbour in Sydney. Ich muss schon sagen - Respekt. Ich habe schon Fanfeste in den vergangenen 4 Jahren in Dortmund, Hamburg, Münster, Wien, Salzburg und Zürich gesehen. Alle in echten Fussballnationen, Deutschland und Österreich. Aber auch in Sydney gabs keine großen Unterschiede. Morgens um 04.30 Uhr Orstzeit war Anstoss und es haben sich sage und schreibe rund 4.000 Europäer versammelt, um das Spiel zu sehen. Wahnsinn. Leider haben dann am Ende die falschen 2.000 jubeln dürfen und geregnet hats auch ein bisschen, aber das nimmt man ja in Kauf.


On the road_II


Nach Silvias Ankunft am Flughafen sind wir direkt in die Blue Mountains gefahren, das ist eins der größten Gebirge Australiens, rund 120 km westlich von Sydney. Arschkalt. Abends um die 5 Grad. Aber da wir uns die ersten beiden Nächte Hostels gegönnt haben, war es auszuhalten und wir wurden von den wahnsinnigen Ausblicken auf Berge und Wasserfälle entschädigt. Aber die Entscheidung, schnellstmöglich wieder Richtung Küste und Norden zu fahren hat sich auch sehr schnell ausgezahlt. Mein Kumpel Peter hatte mir den Tipp gegeben und er war goldwert: Seals Rock an der Ostküste.Ich schätze nicht mehr als hundert Einwohner, ein Campingplatz, ein Tante-Emma-Laden und ein Leuchtturm. Ansonsten Strand und Felsen vom allerfeinsten. Sogar die Sonne war uns gutgesinnt und so konnten wir vom Leuchtturm aus Wale und Delfine sehen.
Wale und Delfine! Hätte ich nicht mit gerechnet. Die Delfine waren so nah im glasklaren Wasser, dass man sie in kompletter Größe beim Springen sehen konnte. Wir waren fasziniert.

Von da aus haben wir kleine Schritte immer Richtung Norden an kleinen Stränden gemacht und sind gestern in Hallidays Point, ca. 500 Einwohner angelangt. Vor dem Einchecken auf dem Campingplatz haben wir einmal den Strand gecheckt. Danach gabs keine Frage mehr, ob wir eine oder zwei Nächte bleiben.
Ein Mutterwal hat sich mit seinem Nachwuchs ca. 100 Meter vor dem Strand eine Bleibe gesucht und dümpelt da seit Wochen rum. Wir dachten, dass wir kein größeres Glück als in Seals Rock haben könnten und dann das. Mit dem kleinen Fernglas (danke, Mama!) hat man das Gefühl, dem Wal so nah zu sein, dass man ihn anfassen kann. Sogar schwimmen kann man hier und so hab ichs dann gestern mit 3,50-m-hohen Wellen aufgenommen, während 150 Meter weiter die Leute den Wal bestaunt haben. Unbeschreiblich.
Die Sonne scheint überwiegend, aber auch Regen ist immer wieder drin. Temperaturen sind sehr vom Wind abhänging, denn wenn der bläst, dann ist es trotz klarem Himmel und knallender Sonne richig kühl. Wir werden nun langsam die Küste wieder hochfahren, mindestens bis Byron Bay, was mich auf der Runterfahrt am meisten begeistert hat.

Fazit: Der Bulli leckt: bei Regen regnets rein!

Sonntag, 27. Juni 2010

von Tully nach Pacific Paradise

On the road

4 Monate Bananen sind rum. Und ich habs ohne böse Krankheiten überstanden, hab viele neue Freunde und Bekannte gefunden und mein Konto aufbessern können. Im Nachhinein kann ich sagen, dass ich viel viel Glück gehabt habe, mit meinen Zimmermitbewohnern, meinen zwei Jobs, den Leuten, die ich bei der Arbeit kennengelernt habe. Ich hab Tully oft verflucht, aber mittlerweile merke ich, dass es mich viel schlimmer hätte treffen können.
Nach einem ausgiebigen Party-Abschieds-Wochenende (immerhin haben 11 Leute gleichzeitig Abschied aus Tully gefeiert) in Tully und Cairns war Montag eine Reifen-Tour auf einem kleinen Fluss in der Nähe von Cairns angesagt. Drei Stunden Regenwald, Ruhe und Relaxen. Am Dienstag sind Laura (meine britische Mitreisende) und ich dann aufgebrochen. Immer dem Bruce Highway Number One folgen Richtung Süden, Richtung Sydney.
Australien ist ein absolutes Reiseland. Ich kann behaupten, dass mindestens 40 Prozent aller Fahrzeuge, die mir auf dem Highway entgegenkommen, umgebaute Bullis, Autos mit Wohnwagen oder Wohnmobile sind. Wahnsinn. Unsere Unterkünfte wechseln, Dienstag haben wir an der Strasse in der Nähe von Ingham geschlafen, auf einem Rastplatz, wo sich ungefähr 40 Gleichgesinnte mit ihren Fahrzeugen eingefunden haben.  Mittwoch gings nach Airlie Beach, wo wir uns ein Hostel gegönnt haben - das Deutschlandspiel stand ja an! Und um 04.30 morgens hat leider kein Pub mit Fernseher geöffnet. Donnerstag war Ruhetag in Airlie auf einem Campingplatz angesagt - Bulli aufräumen, Vorhänge anbringen, Zelt reparieren, Ausruhen, Lesen, Schachspielen, Sonnen, Schlafen.
Freitag gings dann weiter, 510 Kilometer bis Rockhampton, ein kleiner Campingplatz an der Strasse war schnell gefunden. Gestern dann hatten wir ein Ziel - die Sunshine Coast. Eine Freundin von Laura wohnt hier und wir hatten weitere 560 km hinter uns zu bringen. Was wir nicht wussten, ist, dass die Freundin grade letzte Woche mit ihrem Verlobten ein Haus gekauft hat und wir quasi jeder ein eigenes Zimmer bekommen haben und bleiben können, solang wie wir wollen. Ihr Verlobter, Australier, ist selber 2 Jahre durch Europa gereist und weiss, was es für einen Backpacker heisst, ein eigenes Dach überm Kopf zu haben, Strom und warmes Wasser. Sehr gastfreundlich und der ideale Ort, um auf dem HD-Flachbildfernseher heute Abend DAS Spiel zu sehn. Laura und ihre Freundin sind britisch, den Verlobten habe ich auf meine Seite gezogen. Ich bin sehr gespannt.
In ca 10 Tagen will ich in Sydney sein, meinen Kumpel Peter treffen und mich über meinen ersten deutsch/italienischen Besuch freuen.

Fazit: Es ist zwar Australien - aber mit zwei Pullovern und der Decke über dem Kopf ist es immernoch Scheissekalt nachts im Bulli!! Und es wird kälter ...


Von On the road

Dienstag, 15. Juni 2010

Tully - extrem

Was für ein Wochenende! Am Freitagabend gabs eine kleine Abschiedsparty für einen Italiener in einer WG mit anschliessendem Bar-Besuch. Um 00.00 Uhr das Eröffnungsspiel der WM - ich habs nur mit halbem Auge mitbekommen, die Müdigkeit hat gesiegt.

Samstagmorgen gings um 6 raus, ab ins Auto, 180 Kilometer Richtung Norden, 19 Jungs mit nur einem Ziel: Paintball. Krieg mit Farbkugeln. Leicht verkatert und müde haben wir uns erbarmungslose Schlachten geliefert, alle Jungs waren entweder meine Arbeitskollegen oder Hostelmitbewohner. Ich hab das von einem anderen Arbeitskollegen erfahren und direkt gebucht.

Abends gings dann zu meinem Boss raus in sein Haus im Niemandsland (er war übrigens auch beim Paintball), grillen, den unfassbaren Sternenhimmel bewundern und Japanisch von einem Arbeitskollegen lernen (zu mehr als Arrigato hats aber nicht gereicht). Um 04.30 hat mich mein Wecker wieder in den Fernsehraum getrieben, die beiden Briten, mit denen ich geguckt habe waren mehr als sauer, mich hats amüsiert. Unentschieden gegen die Fussball-Nieten Nummer eins...
Sonntag morgen dann wieder früh raus - Rafting auf dem Tully River war angesagt. Eine Veranstaltung für den guten Zweck, für uns vergünstigtes Rafting - perfekt. Zwei Rennen haben wir uns geliefert, gekämpft bis aufs Blut und doch verloren. Mit Muskelkater in den Beinen vom Paintball sowie in den Armen vom Rafting gings dann Abends wieder auf die Piste.
04.30 Uhr: ENDLICH WM MIT JOGIS JUNGS!!! Meine beiden britischen Mitstreiter sind tatsächlich in der Halbzeit ins Bett gegangen: "Germany is too good!" Naja, alleine feiern geht auch. Zwischendurch kleine Skype-Konferenzen mit der Heimat helfen gegen die Einsamkeit.
Montag war dann endlich Ausschlafen angesagt - Queens birthday, das bedeutet in Australien - Feiertag. Noch nicht mal in England gibts dafür frei. Die wissen hier halt, wie man ordentlich lebt. Ich werde mal sehen, wann unser Merkelchen Geburtstag hat und schaun, was sich machen lässt...
Mittags bin ich mit vier anderen Jungs auf eine Krokodilfarm gefahren. Da gabs neben Krokodilen auch Kasuare, Schlangen, Wallabys (verkleinerte Känguruhs) und Papageien - eine seltsame aber sehr erheiternde Mischung. Wir habe allerlei Quatsch mit den Wallabys veranstaltet und danach eine sehr interessante Tour durch die Krokodil-Welt mitgemacht.
Jetzt steht noch Arbeit auf der Farm bis Freitag an, dann gibts diverse Abschiedsfeiern und danach kehre ich Tully ENDLICH den Rücken.

Fazit: Ostküste - ich komme!!

Anmerkung: Die Fotos gibts jetzt immer separat, das geht viel einfacher und auch schneller. Einfach draufklicken und schon seid ihr beim Album...

Donnerstag, 20. Mai 2010

Tully - Zielgerade in Sicht oder - Veraenderungen

Noch vier Wochen, dann kann die Reise endlich losgehen. Nach einer grossartigen Schweine-Jagd (Bilder von Jaeger und Gejagtem folgen am Wochenende) mit meinem Supervisor und seiner 44-er Wumme am vergangenen Wochenende steht an diesem das "Golden-Gumboot-Festival" an. Tully steht Kopf mit Bananen-Wettessen, Gummistiefel-Weitwurf und aehnlichen Kuriositaeten. Ich bin gespannt.

Meinen Job im Internetcafe bin ich nach dieser Schicht los. Es lohnt sich wohl nicht mehr, unter der Woche Abends zu oeffnen. Ich muss dazu sagen, dass ich im Schnitt 8 Dollar fuffzich den Abend gemacht hab in den letzten 2 Wochen, also geht das wohl klar. Bis Ende naechster Woche kann ich noch mietfrei wohnen. Ob ich mir fuer die restlichen 3 Wochen in Tully dann eine WG suche, bei zwei Kumpels vor der Haustuer im Bulli penne oder doch im Hostel bleibe, steht noch nicht fest. WG-Zimmer kosten hier rund die Haelfte von dem, was wir im Hostel woechentlich zu zahlen haben. Die Bulli-Variante wuerde mir weiterhin Mietfreiheit bringen, wenn ich im Hostel bliebe, haette ich fuer die erste WM-Woche ein paar Mitstreiter nachts vor dem Fernseher - eine schwere Entscheidung.

Bei der Arbeit hat sich alles wieder normalisiert, ich fahre wieder, jetzt im Wechsel mit einem Japaner, einen Tag er, den naechsten wieder ich - perfekt.

Fazit: rund 20 Arbeitstage in den Bananen bleiben noch - JUPIEH!!!

Donnerstag, 13. Mai 2010

Tully - Bilder der letzten Wochen

Tully - ein sehr nasses Fleckchen Erde - 1950 gabs hier den meisten Regen, den es jemals in Australien gegeben hat und dafuer gabs den "Goldenen Gummistiefel" am Ortseingang
 


Grillen und Lagerfeuer am Strand von Mission Beach - Nachts
 Grillen am Strand von Mission Beach - Morgens












ARBEIT

Samstag, 8. Mai 2010

Tully - degradiert

Ein Beitrag zum Dampfablassen.


Wenn der kleine Mann Macht bekommt, will er sie ausnutzen. Das war schon immer so. Zum Glück hats diesmal nicht vollends geklappt, ansonsten wärs vorbei mit dem Bananenjob, glaube ich.

Mein Fahrerjob beinhaltet den Transport von rund 3,5 Tonnen Bananen vom Feld in die Fabrik und das rund 16 Mal am Tag seit rund 7 Wochen. Von daher kenne ich die Spielregeln. Das Ganze funktioniert über ein Schienensystem: ich habe Schienen auf meinem Hänger, wo wiederum ein leerer Anhänger draufgerollt wird. Damit fahre ich dann zurück ins Feld, wir füllen den Anhänger auf und ich fahre wieder zur Fabrik, um den Vollen gegen einen Leeren zu tauschen. Wir haben zwei Traktoren und zwei Anhänger, damit, während ich zur Fabrik fahre, die anderen den nächsten füllen können. An der Fabrik angekommen, fahre ich rückwärts an das Schienensystem, muss genau den Punkt treffen, damit Schiene an Schiene liegt und kann dann meinen Anhänger runterrollen. Insgesamt gibt es vier nebeneinanderlegende Schienen, zwei für volle und zwei für leere Anhänger. Die für die Vollen führen direkt zu den Arbeitern, die die Bananen weiterverarbeiten. Damit ich nicht jedes Mal nach dem Abladen von einer Schiene zur nächsten fahren muss, gibt es ein einen beweglichen Teil, das Dolly, womit ich mir einen leeren Anhänger auf meine Schienenseite holen kann und den dann auf meinen Hänger schiebe.

Wenn die Fabrik „voll“ ist, sind fünf volle Anhänger auf jeder Seite und die Lagerungsstation, wo insgesamt 12 Anhänger Platz finden, ist auch voll. Am Donnerstag war endlich ein sonniger Tag, die Fabrik war voll und wir Fahrer mussten warten. Als dann vorne die Arbeiter einen vollen Anhänger auf ihre Station gerollt haben, habe ich, der in der Reihe der erste war, meinen vollen Anhänger auf die Schienen gerollt, damit das Dolly blockiert, bin an die Schiene für die Leeren gefahren und hab mir einen geschnappt. In dem Teil, wo die Anhänger hin- und hergerollt werden, arbeiten immer zwei bis drei gelangweilte Australier mit schlechter Laune, die eigentlich nur zum Anhänger hin-und herrollen eingestellt sind. Die sollten sich dann meiner Meinung nach darum kümmern, dass das Dolly wieder freigemacht wird - ist ja ihr Job.

Nach weiteren zwei Stunden bin ich dann wieder fröhlich mit meinem Anhänger angefahren gekommen, kurz vor der Mittagspause. Meine Crew fuhr in dem Moment im Jeep vorbei Richtung Mittagspause, das heisst für mich auch Mittagspause, als ich grade die Schienen angefahren hatte, demnach hab ich die Bananen auf meinem Anhänger auf die Schienen gerollt, damit zwar das Dolly blockiert, das schien mir aber nicht so wichtig, als dass die Bananen sonst 30 Minuten in der prallen Sonne gestanden hätten. Nach der Pause hab ich dann wie gehabt weitergearbeitet.

Eine gute Stunde später kam einer der Bosse raus zu uns ins Feld und hat mit unserem Supervisor gesprochen. Das kommt so 3-4 Mal die Woche vor, nix Aussergewöhnliches. Der wiederum, Pete, kam dann zu mir und meinte, ich hätte da was falsch gemacht, in der Fabrik hätten sich Leute beschwert, ich hätte zweimal das Dolly blockiert. Ich hab ihm die beiden Fälle geschildert, er meinte, nächstes Mal solle ich doch besser im Schatten parken während der Pause, wie sonst auch, und danach wieder zu den Schienen fahren. Kurzes Gespräch, hab mich entschuldigt, alles in Ordnung.

Beim nächsten Anhänger kam einer der Truck-Fahrer aus seinem LKW, motzt mich an, wie ich so was machen könnte, „Don´t do that again!!“ Ja, sag ich, alles klar, kein Thema, hab schon gehört, dass jemand zum Boss gerannt ist. Und konnte es mir dann nicht verkneifen, ihn darauf hinzuweisen, dass er grade vergessen hat, das Dolly von den leeren Schienen wieder zurück an die richtige Position zu rollen. „Ich mach das dann für dich, vielen Dank fürs Gespräch!“ waren meine Worte. Immer schön freundlich sein.

Freitag morgen kommt einer der Supervisor aus der Fabrik wutentbrannt auf mich zu, als ich grade einen Anhänger ablade. Was mir einfiele. In seiner Ansprache kam ungefähr 12 Mal das Wort „Fuckin“ vor. „Fuckin Trailer, fuckin Dolly, fuckin idiot.“ -Es sei sowieso nicht mehr erlaubt, dass ich überhaupt noch Trecker fahren würde, was ich hier machte. Nach 3 Minuten Monolog habe ich ihn dann unterbrochen und ihn gefragt, ob ich es ihm erklären soll, oder ob ich wieder fahren soll und er alleine weiterreden wolle. Nach der Erklärung meinte er dann, er hätte es mir sagen wollen, weil er SO sauer darüber gewesen wäre und in dem Schwung hat er mir dann noch was von Teamwork etc. erzählt, wir ziehen alle an einem Strang, der Laden muss laufen, etc…

Eine Stunde später sehe ich, dass eine Maschine nicht richtig läuft, laufe ordnungsgemäß und der guten Stimmung wegen zu ihm, unterrichte ihn, er lacht und schaut mich an: „Das ist doch nicht unser Bereich! Wir müssen das nicht aufräumen, ist mir doch egal, was da passiert.“ Soviel zum Thema Teamwork, ich hab glaub ich fünf Minuten den Mund nicht mehr zubekommen.

Kurz vor Feierabend wieder ein Besuch vom Boss bei Pete draußen im Feld. Kurze Diskussion, danach kommt er zu mir. Der Boss habe ihn gefragt, warum ich immer noch Trecker fahren würde, ich hätte die Geschichte mit dem Dolly wieder gemacht. Pete hat das sofort verneint, er hätte mit mir gespochen und er wüsste, dass ich das nicht noch mal gemacht hätte. Ja, er solle das ändern, das ginge so nicht weiter. Daraufhin ist er ein bisschen lauter geworden und hat ihm gesagt, dass er niemanden vom Treckerfahren verbannt, nur weil er einmal was falsch gemacht hat. Er hat sich dann überlegt, dass ich in der kommenden Woche wieder im Feld arbeite, damit sich die Lage in der Fabrik beruhigt. „Let the fuckin dickheads calm down.“ Er war auch sehr angepisst, ich hab mich bedankt, dass er sich so für mich einsetzt und wird nächste Woche wieder mehr im Feld arbeiten. Das stört mich überhaupt nicht, aber die Tatsache, wie das zustande gekommen ist, zeigt, dass irgendwer Mist erzählt hat und der kleine Mann seine Macht doch irgendwie durchgesetzt hat. Ich denke, wenn mein Supervisor ein anderer wäre, hätte er mich einfach rausgeschmissen. (An eben dem gestrigen Freitag wurde sieben Mädels aus der Fabrik gefeuert, weil sie zuviel quatschen, zu langsam sind, oder sonstwas)

Ein Witz. Wenn das Ganze noch weitergeht, habe ich mir schon fest vorgenommen, mit einem Lachen den Scheissladen zu verlassen und Tully ganz schnell den Rücken zu kehren - wäre auch nicht die schlechteste Variante, es gibt bestimmt noch andere Jobs an der Ostküste.



Die Welt hat ein Brotproblem. Jetzt nicht im christlich-religiös-katholischen Sinne, sondern faktisch. Wo gibt es richtig lecker duftendes, festes Körnerbrot, ausser in der Schweiz, Österreich und Deutschland? (Und in manchen deutschen, österreichischen oder schweizerischen Bäckereien auf der Welt.)

Eine meiner Tischnachbarinnen bei der Arbeit hatte diese Woche ein richtig lecker aussehendes Brot dabei und ich habe natürlich direkt nachgebohrt. Sie ist Schweizerin, mit einem Australier verheiratet und seit drei Jahren in Tully. Sie backt es selber. Doch anstatt mir anzubieten, eins mitzubringen, hat sie mir am nächsten Tag das Rezept mitgebracht. Perfekt. Eine Aufgabe fürs Wochenende. Und tadaaaaa, so sieht es aus.

Ich denke, ich werde morgen Form und Geschmack optimieren und direkt das nächste backen. Vielleicht gehe ich in Massenproduktion, denn als es fertig war, haben fünf Leute in der Küche probiert und alle waren überzeugt.

Ansonsten kaufe ich an den Wochenenden nach und nach Sachen für meinen Bulli, damit ich, wenn soweit ist, vollends ausgerüstet bin. Heute gabs die Aufhängung für Gardinen für Front - und Heckscheibe.

Fazit: mein Job kann noch richtig lustig werden…

Montag, 26. April 2010

Townsville - Trip in den Sueden

Samstag Mittag bin ich spontan mit meinem irischen Kumpel Paul Richtung Sueden aufgebrochen - weg aus Tully, weg vom Regen (hat nicht geklappt), Wochenende geniessen. Auf dem Weg haben wir ein Hnweisschild zu einem Wasserfall entdeckt und sind spontan abgebogen. 50 Kilometer sollte er entfernt sein und laut Reisebibel der hoechte Australiens!! Die Strasse war schonmal das erste Erlebnis. Kuehe ohne Ende, ich kam mir vor wie in Oesterreich!




Als naechstes Regenwald mit Matschpiste.
Dementsprechend sieht das Auto jetzt auch aus. Rechts und Links eine einzige gruene Wand, manchmal ein paar Lianen, die bis auf die Strasse reichen. Naja, spontane Trips sind halt doch die aufregendsten. Es wurde auch kuehler, wir hatten weder Moskitoschutz noch lange Klamotten mit.
Der Wasserfall ist im Girringun National Park und hat sich dann fuer uns so dargestellt.
  Wir konnten ihn hoeren, sind vom Regen nass geworden, aber NICHTS sehen! Nebel, Waschkueche, Wolkenbrei. Naja, die 50 bzw 100 Kilometer waren ja nicht umsonst, wir haben herzlich gelacht.
Weiter gings nach Townsville, eine kleine Stadt, in der 50% Italiener wohnen, ungefaehr 220 Kilometer von Tully entfernt, liegt am Meer, hat einen hohen Berg und viele kleine schoene Ecken. Da haben wir dann in einem sehr angenehmen Hostel uebernachtet (weil meine Luftmatratze im Bulli ein Loch hat) und um Mitternacht gemerkt, dass alle Laeden zumachen, weil Sonntag ANZAC-Day ist. Hoher militaerischer Feiertag in Australien und Neuseeland, wo den gefallenen Soldaten der letzten 36 Kriege gedacht wird. Schoen, aber deshalb nachts um 12 alle Kneipen schliessen? Das ist doch nicht Karfreitag!
Sonntags haben wir uns dann noch die Menschenmassen angesehn, die den Tag mit einer Parade und vielen vielen Uniformen gefeiert haben und dann gings wieder ab nach Tully.

Fazit: 24 Stunden spontan raus aus Tully, ungeplante Sachen machen - das erfrischt ungemein!

Dienstag, 13. April 2010

Mission Beach - Bilder

Endlich am Strand!!
Mission Beach ist 14 Kilometer lang, aber leider sind überall Quallen und Krokodile. Es gibt kleine abgesperrte Schwimmecken, da tummeln sich dann aber natürlich alle Wasserratten.

Die Landschaft rund um Tully fasziniert mich immer wieder.


Kühe? Rehe? Nein, Riesenvögel können einem hier die Motorhaube zerdonnern. Leider oder zum Glück habe ich noch keinen Cassowarry zu Gesicht bekommen.



Volle Pulle Sonne!!!





Holland vs Italien
Luuk vs Federico

JUMP THE BEACH

Montag, 12. April 2010

Tully - Freedom


Ich habe heute mein erstes Kaenguruh gesehn.
In freier Wildbahn. Boese Zungen behaupten, es sein gar keine Kaenguruh, sondern ein Wallabee gewesen, das sind quasi kleine Kaenguruhs, aber selbstwenn... Ich sass auf meinem Trecker, hatte 3,5 Tonnen Bananen im Gepaeck und wir haben uns doof angeglotzt gegenseitig. Vielleicht war ich der erste Deutsche den das Viech je gesehn hat und es erzaehlt heut beim Abendessen ueber diese seltsame Begegnung - wer weiss.
Die Bananenarbeit geht immer leichter von der Hand, ein-zwei Unfaelle hab ich auf meinen PS-Maschinchen schon verursacht, aber ohne Sach - und Personenschaeden.
Ich stelle bei meiner Rueckkehr nach Deutschland einen Antrag an meinen zukuenftigen Arbeitgeber. Woechentliche Bezahlung. Eine groessere Bestaetigung und besseres Einlaeuten des Wochenendes gibt es gar nicht. Freitags nach der Arbeit ist das Geld auf dem Konto und man kann alles wieder innerhalb von 2 Tagen verprassen. Wenn man will. Aber allein das Gefuehl, dass man am Ende der Woche den verdienten Lohn fuer das in der Hand halten kann, was man die ganze Woche geschafft hat, ist wirklich jede Woche aufs Neue grossartig!
Die letzten 2 Wochenenden habe ich mit meiner neuen Errungenschaft verbracht - er ist weiss, von 1999, hat drei Sitze und faehrt nich viel schneller als 120, aber mehr brauchts hier auch nicht!

Isser nich schoen? Darf ich vorstellen? Der King of the Bongo.
Das Osterwochenende in Cairns war entspannend, da hab ich auch direkt die erste Nacht im Auto verbracht - sehr angenehm.
Denn hinten drin ist eine Matratze und was man sonst so fuer Campen braucht.

Letztes Wochenende gings dann an den Strand. Das erste Mal so richtig!! Der Linksverkehr ist gar nich so schwer, wie er aussieht, aber das ist das Problem. Denkt man einmal, man hats drauf, findet man sich ploetzlich wie selbstverstaendlich auf der rechten Seite wieder. Schon zweimal passiert, aber Glueck gehabt. Heute hab ich dann einen halben Tag frei genommen, weil ich den Wagen endlich auf meinen Namen umschreiben lassen wollte. Tja, doch problematischer als gedacht. Ich habe den von einem franzoesischen Paar gekauft, die natuerlich meinten, das sei alles gaaanz einfach. Jetzt war ich heut beim Courthouse und da der Wagen in New South Wales registriert ist, ich aber derzeit in Queensland bin, muesse ich eine neue Registration machen lassen (500$!!!). Ich will ja aber eigentlich nur den Namen umschreiben lassen, also hab ich mich an die zustaendige Stelle in New South Wales gewandt, die eine nette Telefonhotline auf ihrer Homepage angegeben haben. Tja, da tut sich wohl auf der ganzen Welt eine Schwachstelle auf - schweineteuer und keiner geht ran!!! Ich habe jetzt mein Problem per Mail erklaert, to be continued ....
In den naechsten Wochen werde ich dann mal den Norden erkunden, denn im Juni solls ja Richtung Sueden gehn. Also wende ich mich an die Reisebibel (den LonelyPlanet) und lasse mich inspirieren.

Fazit: Wenn man ein Auto hat, will man FAHREN! Noch 8 Wochen ...

Anbei noch ein paar Impressionen der letzten Trips...

Mit Licht noch schöner

Die Beule war schon drin - naja, man kann nicht alles haben

Tullys Umgebung kurz vor einem Regenschauer

Pferdescheisse für zwei Dollar fuffzich

Sonntag, 28. März 2010

Tully - Sonntags-Sprint oder auch Speed-Humping

in actiondie "Pausenhalle" Bananen vor schöner Kulisse (die man aber irgendwann auch nicht mehr bemerkt)


die Kollegen


ein sonniger Tag


unser Supervisor Pete


Bananen - mal ohne Müllsack


die Crew

der Weg in die Plantage


KEINE IMPORTS!! diese Aufkleber gibts überall in Australien








Heut gabs zum ersten Mal Sonntagsarbeit. Normalerweise sinds ja 8 Stunden mit Pausen, heute gings "nur" darum, 10 Anhänger zu füllen - Zeit is uns überlassen. Da ist es klar, dass jeder schnell wieder nach Hause will und die Bestmarke vom letzten Mal, 3 Stunden, unterbieten will. Aber die Vorzeichen waren schon schlecht, einer ist nicht erschienen heut morgen um 6, es hat gestern schon den ganzen Tag geschüttet, heute ebenfalls. Normalerweise machen wir so 2-5 Anhänger in zwei Stunden. 5 aber auch nur, wenn ganz wenig geredet wird und jeder Gas gibt und viele Bananen da sind. Eine der anderen Crews macht 7 pro Session, also pro 2 Stunden. Die müssen ja Spass haben.

Heute hiess es also Rennen, was das Zeug hält. Bananen auf den Rücken, zack zack zum Anhänger, und wieder zurück und hoffen, dass der Cutter schon den nächsten Bunch hat. Leider hat unser Supervisor keine guten Felder ausgewählt, so dass nicht viele Bananen dawaren und wir zwischendurch immer wieder laufen mussten. Das hat den Fluss gestoppt. Ich hab die Anhänger weggefahren, normalerweise ja sehr vorsichtig, denn die Bananen sind ja unser bestes Gut (wir erinnern uns - BE GENTLE WITH THE BANANAS!! -) aber heut auch mal ein bisschen mehr Gas gegeben. Alles nix genützt, hat trotzdem viereinhalb Stunden gedauert. Naja, aber es ist alles reine Kopfsache. Wenn man Mo-Fr loszieht, kommen einem die zwei Stunden ewig vor, weil keiner ausser Pete, dem Supervisor, eine Uhr beihat und man so nie weiss, obs gleich schon Mittag gibt, oder wir noch n Stündchen nassgeregnet werden.

Wenn man das Ganze an Anhängern messen kann, gehts viel schneller. Diese viereinhalb Stunden kamen mir vor wie zwei. Und wenn man daneben dann noch den Sonntagszuschlag im Kopf hat, ist es wirklich gut auszuhalten. Ausserdem bin ich ja zum Arbeiten hier und für nichts anderes eigentlich. Karfreitag und Ostermontag "dürfen" wir nicht ran, das heisst, zwei Tage weniger Geld, aber mal die Gelegenheit, den geschundenen Körper komplett zu regenerieren. Hoffentlich regnets nicht wieder durch. Fahre evtl mit meinem holländischen Kumpel nach Cairns, nach einem Auto suchen.

Fazit: Gut, dass Dortmund Unentschieden gespielt hat, sonst hätte ich noch zur Meisterfeier einfliegen müssen ...