Montag, 27. Dezember 2010

Sydney - europäische Weihnachten im australischen Sommer

Weihnachten im Sommer ist abgefahrn. Weihnachtsgefühle kommen aber nicht so richtig auf - es fehlen Winter, Spekulatius, Dominosteine, vorm Kamin abhängen, Mamas Essen, der Weihnachtsbaum, Kerzen, Rituale und nicht zuletzt natürlich die Familie. Da das Gefühl aber nicht da ist, ists auch nur halb so wild mit dem Heimweh. Und da ist ja auch noch das Gefühl, dass man sich dafür entschieden hat, hier zu sein. Und da sind viele viele Leute, denen es ähnlich geht, die alle grad ohne Familie feiern und somit konnte ich mich mit Gleichgesinnten hier prächtig verständigen und mal ganz anders feiern.
4 Stunden in der Küche hab ich zugebracht, um Pasteten mit verschiedenen Füllungen zu machen - von Spinat Feta, Lachs bis zu Kürbis und Süßkartoffel oder Thunfisch. Vorspeisenbeauftragter für beide anstehenden Parties.

Summer in the Christmas-City

Party eins: eine ehemalige Kollegin vom TV in DDorf hatte zum Heiligabend in die (Hammer)Wohnung ihrer Tante geladen. 2 Freunde hab ich mitgebracht, sie hatte 2 Freunde dabei, ihre Tante auch noch 4 Leute eingeladen. Die Bescherung fiel dann klein aus, aber war dann auch schnell vorbei, somit konnten wir uns dem Essen, Trinken und dem Pool widmen. Heiligabend ein paar Runden im Pool zu drehn mit allemann  sehr unwirklich.
Nach diversen Telefonaten auf dem nächtlichen Heimweg gings dann morgens um 11 bei meinen irischen Freunden weiter - somit zu Party zwei, an einem der heissesten Tage, die ich je in Sydney hatte:
8 Leute, die ich, bis auf einen, alle von der Bananenfarm kenne, also quasi meine Tully-Familie am Start. Truthahn, Schinken, Kartoffelbrei, Gemüse - traditionell irisch und sehr lecker! Danach dann ein ausgiebiger Mittagsschlaf (gewisse Dinge von zu Hause sollte man einfach nicht abstellen) und dann ran an die Getränke. Gegen Abend verschwinden alle für ne halbe Stunde irgendwo - Skype lässt grüßen. Alle Familiengespräche erledigt? Dann auf zur Party im Nachbarhaus. Gefühlte vier Millionen Iren lassen an ihrem Ruf nichts zu wünschen übrig.
Alles in allem ein seltsames, aber doch angenehmes Weihnachtsfest, dank der vielen Leute, mit denen ich feiern konnte.
Jetzt gehts mit Riesenschritten Richtung Manila. Wenn irgendwer Tipps zu den Philippinen hat, bitte raus damit!
Vorher noch 4 Wochen Familientour und dann sollte im Februar in Deutschland bitte ein bisschen Sonne zu Karneval scheinen!!!

Fazit: Manchmal benötigt man einen Krisenmanager ohne viel Management - es hilft. Kopfsalat ade.

Mittwoch, 8. Dezember 2010

Fraser - Sydney

Fraser war der Knaller! Zwei Tage lang in nem 4-wheel-drive durch Sand, Geröll und Wasser heizen. Zwischendrin an super-Seen pausieren, die Sonne geniessen, den weissen Sand, das blauste Wasser - paradiesisch. Dingos solls da viele geben. Dann warn die wohl grad im Urlaub und haben an ihrer statt die Warane und Echsen voran geschickt, um uns zu erschrecken. Davon gabs mehr als genug!
Nachts haben wir auf einem Campingplatz gepennt, mitten auf der Insel. Ein nicht-bestellter Mörderregenschauer hat uns einmal ordentlich beim Goon-Trinken gestört, aber ansonsten wars echt ein super Trip. Danke nochmal an meine beiden Quizlooserkumpaninnen!
Von Fraser aus gings dann runter nach Sydney und ansich war der Plan, die Blue Mountains anzusehn, aber da gabs dann NebelNebelNebel und RegenRegenRegen, also direkt nach Sydney.
Die Zeit meines Autos ist abgelaufen. Also für mich. Ich hatte mich darauf eingestellt, eine Anzeige im Internet von unterwegs aus vorzuschiessen und dann in Sydney Hostels zu plakatieren und zu warten, zu hoffen, dass der Preis stimmt und es nicht zu lange dauert. Dienstag habe ich die Anzeige geschaltet, Mittwoch auf dem Weg nach Sydney haben sechs Leute angerufen, mit denen ich Termine für Donnerstag ausgemacht habe. Mittags habe ich dann den ersten getroffen. Zack. Verkauft. Für meinen genannten Preis. Keine Verhandlung. Eingestiegen, angeguckt, fertig. Anzahlung gezahlt und Samstag war er wech.
Großartig! Also schon ein komisches Gefühl, aber so reibungslos! Dann konnte ich mit der Anzahlung am Donnerstag Abend mit den Mädels nochmal ein bisschen vor die Tür gehn.

On the road IV

Seit Freitag bin ich wieder Alleinreisend. Das Wochenende hab ich bei einer Bekannten auf der Couch verbracht und gestern Abend dann hab ich ein Zimmer in einer WG bekommen. Ein bisschen ausserhalb, aber ganz nette Leute, die alle die Vermieterin genauso scheisse finden, wie ich. Internet - Waschmaschine - alles inklusive! Waschmaschine hat nur kaltes Wasser, Internet funzt gar nicht. Da muss nochmal geredet werden. Und das bei 190 Dollar die Woche... Sydney halt. Immerhin hab ich nun eine Unterkunft über Weihnachten und Silvester, muss mich nicht auf die horrenden Hostelpreise einlassen (teilweise 150 Dollar in einem Sechsbettzimmer für EINE Nacht!!!!!!) und kann Freunden für die Zeit noch Asyl gewähren, da das Zimmer echt groß genug ist. Jetzt beginnt das alte Lied - Jobsuche. Ich hab gestern eine WhiteCard gemacht, die man in Australien braucht, um auf einer Baustelle zu arbeiten.
Dieser Kurs ist eigentlich einen eigenen Artikel wert, ich versuchs mal kurz und knapp -
6 Jungs, ein "Lehrer". Peter. Untersetzter Endvierziger, selber Bauarbeiter. Morgens um neun, nachdem wir alle unsere 100 Dollar an die Agentur gelatzt haben: "Jungs, das Gesetz schreibt folgendes vor: ihr müsst sechs Stunden mit mir hier sein. Wir werden jetzt ne Menge Videos gucken, am Ende gibts einen Test, den ihr jetzt auch schon machen könntet, weil die Papiere dazu geb ich euch jetzt und die dürft ihr dafür auch verwenden. Wenn ihr Rauchen wollt oder sonstwas, geht. Aber vergesst nicht, wiederzukommen. Und nicht einschlafen. Zwei Leute haben bei mir in den letzten 10 Jahren die WhiteCard nicht gekriegt. Der eine hat geschnarcht, der andere hat vergessen, wiederzukommen, nach seiner siebten Zigarette in zwei Stunden. So, ich mach mal ein paar Videos an." Wir gucken Baustellenunfälle, die von der Regierung von Neusüdwales nachgestellt werden, um vor Gefahren zu warnen. Nach einer Stunde: "So, wir machen mal ne Pause!" Nach der Pause weitere Videos, u.a. von Paralympics-Teilnehmern, die erzählen, wie sich ihr Leben verändert hat, nachdem der Unfall, der zur Behinderung geführt hat, passiert ist. Mittagspause. Dann erzählt Peter uns ein paar Anekdoten von seiner Baustelle, zB, dass ein Backpacker auf einer Nachbarbaustelle mal den Gabelstapler geklaut hat, einen Maurer umgefahren hat und jetzt 80.000 Dollar Strafe zahln muss und zwei Jahre in den Knast und der Unternehmer, der ihn eingestellt hat, 750.000 Dollar Strafe. Dass Mobbing zu Mord und Massaker führen kann, so wie 1991 bei einem Amoklauf hier in der Ecke (ich hab mal ein paar der Dinge aus Interesse aufgeschrieben und bis auf exakte Zahlen stimmten sein Geschichten ALLE!!). Dass sein Bruder jeden Sonntag säuft und sich Montags krankschreiben lässt. Undundund... Also alles hat irgendwie mit dem Beruf zutun, aber recht unterhaltsam. Und dass der Staat sowieso mit der Mafia zusammenarbeitet, weil er ja als Unternehmer auch 750.000 Dollar Strafe zahlen müsste, wenn ein doofer Backpacker einen Gabelstapler klaut. Mafia.
Um halb drei dann, also eine Stunde zu früh, sind wir mit dem 11-Fragen-Test und allem weiterem durch. Einer von uns war aus Mexico und hatte nich alle Fragen verstanden, da is dann Peter mal eben raugegangen, so dass sein Banknachbar alles fertig gemacht hat. Ich war letzter im Raum und Peter meinte nur, ich solle bitte die Tür zumachen, er müsste jetzt noch eine Stunde warten, weil wir ja noch nicht fertigsein dürften.
Soviel dazu.
Dann werd ich wohl die Woche mal versuchen, einen Bauunternehmer in den Ruin zu stürzen.

Fazit: Melbourne bleibt meine Lieblingsstadt, auch wenn jetzt grad endlich echter Sommer ist!