Zur Erklärung ein paar Dinge vorweg:
Mein Bulli ist nicht mehr der neuste, von 1999, rostet hier und da, es tropft auch schonmal rein aber er hat erst 125.000 Kilometer von Australien gesehen. Das ist nicht viel für diese Verhältnisse, allein auf mein Konto gehen 10.000 km aus den letzten 6 Monaten!
Er hat eine Registrierung (Rego) aus New South Wales (NSW), das ist der Staat, wo Sydney liegt, im Südosten des Kontinents. Diese Registrierung in NSW erfordert eine Roadworthy, also quasi eine TÜV-Plakette, dann eine Versicherung und schliesslich die Registrierung bei der Road and Traffic Authority (RTA). Die Rego lief am 02.10.2010 ab. Als ich ihn am 01.04. von einem französischen Pärchen gekauft habe (mittlerweile glaub ichs auch, also dass die Sache mit dem Datum was mit dieser ganzen Geschichte zutun hat), haben die mir versichert, dass ich nur zur RTA gehn müsse, denen meine Papiere gebe und die dann den Namen auf der Rego ändern und der Bulli MEIN ist.
Ich war blauäugig, hab mich nicht richtig informiert. RTAs gibts natürlich nur in NSW, wo der Bulli zugelassen ist. Tully, also Bananenhausen, liegt aber im hohen Queensland. Ummeldung unmöglich. Neuanmeldung möglich - Kosten? Unbeschreiblich. "Wenn Sie innerhalb von 14 Tagen den Wagen nicht auf ihren Namen umschreiben, kostet Sie das 99$ Strafe." steht im Kleingedruckten. Naja, lieber n Hunni als 800$! Also einfach nicht umschreiben, muss ja im Oktober sowieso passieren.
Melbourne liegt in Victoria, dem kleinsten Staat Australiens ganz im Süden. Eine Neu-Anmeldung hätte mich hier nicht viel gekostet, habe ich dann vergangene Woche recherchiert, da es ja Zeit wurde. Auch hier braucht man eine Raodworthy. Beim Termin in der Werkstatt der Schlag ins Gesicht. Der kleine Mann in blauer Latzhose mit Riesen-Sonnenbrille war total freundlich, musste mir aber leider eine Minute nachdem ich auf seinen Hof gefahrn bin sagen, dass seine Kosten den Wert meines Bullis übersteigen würden. Neue Windschutzscheibe (Riss), neue Heckklappe (Delle), Rost, Rost, Rost,... "Aah, NSW-Rego? Fahr doch dahin, die sind da nich so! Da kriegste den durch."
Gut. Das Festival, was am Wochenende auf dem Programm steht ist in Deniliquin(320 km nördlich), direkt hinter der Grenze in NSW. Erstmal ein Tiefschlag, aber noch nicht ganz verloren. Termin für Freitagmorgen ausgemacht. Da wollte ich ansich schon neben dem Bulli auf einer staubigen Wiese sitzen, den Grill anschmeissen, die Beine hochlegen und ein Döschen Bundy aufreissen, aber das kann warten.
Ankunft Werkstatt NSW. "Ja, lass ma hier, ruf dich in 3 Stunden an, dann sag ich, was gemacht werden muss." Puh, kein niederschmetterndes Urteil nach 3 Sekunden. Immerhin.
Auf zur Versicherung. Junger netter Typ im Polohemd, grade seine Ausbildung angefangen. Einzige Versicherung im Dorf, wo JEDER hingeht und ein Fremder natürlich auffällt.
Klar, Versicherung, kein Thema, was für ein Auto? Ah so, ja, das macht dann 430$. Gut. Hatte ich eingeplant. Ja, dann noch ein paar Details, wo wohnst du?
Ich hatte vorher damit gerechnet, dass ich einen Wohnsitz in NSW benötige und direkt die Hosteladresse von einem Kumpel aus Sydney parat. Aaaah, Sydney! Schöön, das ist aber leider Stadt und da würd es dann 850$ kosten. Ups. Er geht zu seinem Chef, sie beraten sich. Was ist mit diesem Backpacker zu tun? Er kommt zurücl und rät mir, bei der örtlichen RTA-Stelle nachzufragen, was zu tun sei.
RTA: Der Mann im Anzug sagt, dass er keine Versicherungen verkaufe und wenn ich nicht beweisen könne, dass ich in NSW wohnte, würd ich bei ihm schonmal gar nix kriegen. Aha. Beweise will der. Also entweder eine Rechnung von einem Hotel oder jemanden mit einem NSW-Führerschein, der Zeugnis ablegt, dass ich bei ihm wohne. Oh weia. Das war mal wieder ein Tiefschlag. Draussen steht ein paar Jungs um ihre "Ute" herum, die sich grad eine Tagesanmeldung für das Festival geholt haben.Doch die kommen auch aus Victoria und bedauern meine Situation. Keine Hilfe.
Mein Versicherungs-Bubi empfiehlt mir ein Motel im Ort, wo ich sicherlich eine Quittung kriegen könnte und die bestätigen würden, dass ich da wohnte. Er könne leider nicht, er wär noch nicht volljährig, Sehr rührend, wie er sich um den bekloppten Deutschen kümmert.
Auf dem Weg zum Motel ruft mein Werkstatt-Mann an. Tjaaaaa, also ne neue Windschutzscheibe müsse her, er habe schon alles abtelefoniert, aber wär schon alles dicht, wegen des Festivals und die, die offen haben, hätten keine. Frühestens Dienstag. Oh. Da hätte er dann alles fertig. Ich fange an, zu bohren, ob er mir die Roadworthy nicht so geben könne, wenn ich ihrm versichere, dass ich mir in Victoria eine neue Scheibe einbauen lasse. Alaso, er kenne mich ja nicht und wenn ich angehalten würde und die Cops meine Rego überprüften, wäre er am Arsch. Er würds machen, wenn da nicht das Festival wäre (Polizei überall!). Schade.
Also räum ich meinen Bulli aus, bin heilfroh, dass mein Kumpel vom Radio, Oliver, nicht alle Sitze aus dem Wagen seiner Freundin ausgebaut hat (er rief mich an, als mein Auto grade in der Werkstatt abgegeben war und fragte, ob alles glattginge, dann würde er nämlich keinen Extra-Sitz mitnehmen. Ich: KLAR! Brauchste nicht!) und die beiden mich mitnehmen konnten. Ab zum Festival, Bundy, Wiese und Entspannung geniessen.
Mein Mitbewohner Stephan aus England hatte zum Glück keinen Job und sich gestern nach Fiji verabschiedet und spontan zugesagt, mich "mal eben" da unter der Woche abzusetzen. Also noch ein Tag beim Radio freigeschaufelt. Donnerstag. 6 Uhr wollte ich los, da ich unglücklicherweise um 18 Uhr wieder den Eislöffel schwingen musste. Steph ausm Bett geprügelt, in sein Auto - Klick. Klick. Klick. Na herzlichen Glückwunsch. 90 Minuten und einen Nachbarn MIT Kabel und MIT Auto, der ENDLICH sein Haus verlassen hat, später gings dann los. 4 Stunden. Dank meines reichen Erfahrungsschatzes hab ich Steph gezwungen, zu warten. Man weiss ja nie.
Werkstatt: alles glattgegangen. Schicke neue Scheibe, 130$ mehr als erwartet, aber alles im Rahmen. Versicherungs-Bubi: alles glattgegangen. Einfach selbstsicher die Adresse eines Campingplatzes in Deni genannt.Auch er freut sich, dass es zu klappen scheint.
RTA: Unterlagen sehen gut aus. Doch mein selbsticheres Auftreten scheint die Dame nicht zu beeindrucken. Ein Beweis muss her. Mist. Ich fahre also mit meinem (unangemeldeten) Bulli zum nächsten Campingplatz und versuche mein Glück. Die alte Lady guckt skeptisch und lehtn ab. Mist! Der nächste Campingplatz liegt mitten in der Pampa, sagen die Strassenschilder. Hin. Frage vorgetragen mit aller mir zur Verfügung stehenden Verzweiflung im Gesicht. Sie zögert lang, will nicht, macht es aber am Ende doch. Jetzt bin ich für eine Woche Bewohner ihres Campingplatzes. Grossartig.
RTA: Ja, das sieht gut aus. Die Dame gibt alle Daten in ihren PC ein und kriegt große Augen. Meine Rego sei leider im Mai gecancellt worden. Mein Vorgänger habe zuviele Strafen kassiert und da habe die Behörde einfach die Schilder gesperrt. Mir geht der Mund nicht mehr zu. Sie flüstert, weil der Raum voll mit schweigenden Menschen ist, ich solle mal schnellstens meine Schilder abmontieren, zur Werkstatt fahren, zur Versicherung gehn, mir neue Papiere holen und dann neue Schilder bei ihr kaufen. Ich werd bekloppt. Da mach ich mir monatelang Gedanken, dass der Wagen nicht auf meinem Namen fährt und er darf eigentlich GAR nicht fahren!
Steph reichts. Ich entlasse ihn, weil ich mir sage, dass ich ohne meinen Bulli hier sowieso nicht mehr wegfahre. Also fahre ich zur Werkstatt (Ja, ich fahre. Hab ich schliesslich die letzten 5 Monate auch gemacht!), hole mir ein neues Zertifikat, das jetzt nicht mehr zur Ummeldung, sondern zur NEU-Anmeldung benötigt wird, zahle schlappe 25$ dafür. Bei der Versicherung brauche ich nur einen neuen Wisch. Reibungslos.
Alles liegt jetzt auf einem Haufen bei der RTA-Frau. Daneben meine Schilder, die ich vor der Tür abmontiert habe. Während sie tippt, fragt sie "Sind Sie schon viel rumgekommen?" Ich guck argwöhnisch und realisiere nicht, dass sie SmallTalk machen will, weil ich so angespannt bin und denke, was zum Kuckuck hat das jetzt schon wieder zu bedeuten!!! Erst in dem Moment, in dem ich meine Kreditkarte durchziehe und meine Pinnummer eingegeben hab, kann ich ausatmen. Sie sagt, ich solle jetzt mal in Ruhe ein Bier trinken gehn und ich merke, dass sie wohl gemerkt hat, wie angespannt ich war.
Meine neuen Schilder sind furchtbar hässlich, aber kosten nur die Hälfte von den schönen, die ich vorher hatte.
Fazit: Die 99 $ Strafe musste ich nicht zahlen. War ja eine Neuanmeldung. Mit Dank an meine französischen Freunde, die nun nicht mehr meine (Facebook)-Freunde sind. Merde!
Samstag, 9. Oktober 2010
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