Samstag, 8. Mai 2010

Tully - degradiert

Ein Beitrag zum Dampfablassen.


Wenn der kleine Mann Macht bekommt, will er sie ausnutzen. Das war schon immer so. Zum Glück hats diesmal nicht vollends geklappt, ansonsten wärs vorbei mit dem Bananenjob, glaube ich.

Mein Fahrerjob beinhaltet den Transport von rund 3,5 Tonnen Bananen vom Feld in die Fabrik und das rund 16 Mal am Tag seit rund 7 Wochen. Von daher kenne ich die Spielregeln. Das Ganze funktioniert über ein Schienensystem: ich habe Schienen auf meinem Hänger, wo wiederum ein leerer Anhänger draufgerollt wird. Damit fahre ich dann zurück ins Feld, wir füllen den Anhänger auf und ich fahre wieder zur Fabrik, um den Vollen gegen einen Leeren zu tauschen. Wir haben zwei Traktoren und zwei Anhänger, damit, während ich zur Fabrik fahre, die anderen den nächsten füllen können. An der Fabrik angekommen, fahre ich rückwärts an das Schienensystem, muss genau den Punkt treffen, damit Schiene an Schiene liegt und kann dann meinen Anhänger runterrollen. Insgesamt gibt es vier nebeneinanderlegende Schienen, zwei für volle und zwei für leere Anhänger. Die für die Vollen führen direkt zu den Arbeitern, die die Bananen weiterverarbeiten. Damit ich nicht jedes Mal nach dem Abladen von einer Schiene zur nächsten fahren muss, gibt es ein einen beweglichen Teil, das Dolly, womit ich mir einen leeren Anhänger auf meine Schienenseite holen kann und den dann auf meinen Hänger schiebe.

Wenn die Fabrik „voll“ ist, sind fünf volle Anhänger auf jeder Seite und die Lagerungsstation, wo insgesamt 12 Anhänger Platz finden, ist auch voll. Am Donnerstag war endlich ein sonniger Tag, die Fabrik war voll und wir Fahrer mussten warten. Als dann vorne die Arbeiter einen vollen Anhänger auf ihre Station gerollt haben, habe ich, der in der Reihe der erste war, meinen vollen Anhänger auf die Schienen gerollt, damit das Dolly blockiert, bin an die Schiene für die Leeren gefahren und hab mir einen geschnappt. In dem Teil, wo die Anhänger hin- und hergerollt werden, arbeiten immer zwei bis drei gelangweilte Australier mit schlechter Laune, die eigentlich nur zum Anhänger hin-und herrollen eingestellt sind. Die sollten sich dann meiner Meinung nach darum kümmern, dass das Dolly wieder freigemacht wird - ist ja ihr Job.

Nach weiteren zwei Stunden bin ich dann wieder fröhlich mit meinem Anhänger angefahren gekommen, kurz vor der Mittagspause. Meine Crew fuhr in dem Moment im Jeep vorbei Richtung Mittagspause, das heisst für mich auch Mittagspause, als ich grade die Schienen angefahren hatte, demnach hab ich die Bananen auf meinem Anhänger auf die Schienen gerollt, damit zwar das Dolly blockiert, das schien mir aber nicht so wichtig, als dass die Bananen sonst 30 Minuten in der prallen Sonne gestanden hätten. Nach der Pause hab ich dann wie gehabt weitergearbeitet.

Eine gute Stunde später kam einer der Bosse raus zu uns ins Feld und hat mit unserem Supervisor gesprochen. Das kommt so 3-4 Mal die Woche vor, nix Aussergewöhnliches. Der wiederum, Pete, kam dann zu mir und meinte, ich hätte da was falsch gemacht, in der Fabrik hätten sich Leute beschwert, ich hätte zweimal das Dolly blockiert. Ich hab ihm die beiden Fälle geschildert, er meinte, nächstes Mal solle ich doch besser im Schatten parken während der Pause, wie sonst auch, und danach wieder zu den Schienen fahren. Kurzes Gespräch, hab mich entschuldigt, alles in Ordnung.

Beim nächsten Anhänger kam einer der Truck-Fahrer aus seinem LKW, motzt mich an, wie ich so was machen könnte, „Don´t do that again!!“ Ja, sag ich, alles klar, kein Thema, hab schon gehört, dass jemand zum Boss gerannt ist. Und konnte es mir dann nicht verkneifen, ihn darauf hinzuweisen, dass er grade vergessen hat, das Dolly von den leeren Schienen wieder zurück an die richtige Position zu rollen. „Ich mach das dann für dich, vielen Dank fürs Gespräch!“ waren meine Worte. Immer schön freundlich sein.

Freitag morgen kommt einer der Supervisor aus der Fabrik wutentbrannt auf mich zu, als ich grade einen Anhänger ablade. Was mir einfiele. In seiner Ansprache kam ungefähr 12 Mal das Wort „Fuckin“ vor. „Fuckin Trailer, fuckin Dolly, fuckin idiot.“ -Es sei sowieso nicht mehr erlaubt, dass ich überhaupt noch Trecker fahren würde, was ich hier machte. Nach 3 Minuten Monolog habe ich ihn dann unterbrochen und ihn gefragt, ob ich es ihm erklären soll, oder ob ich wieder fahren soll und er alleine weiterreden wolle. Nach der Erklärung meinte er dann, er hätte es mir sagen wollen, weil er SO sauer darüber gewesen wäre und in dem Schwung hat er mir dann noch was von Teamwork etc. erzählt, wir ziehen alle an einem Strang, der Laden muss laufen, etc…

Eine Stunde später sehe ich, dass eine Maschine nicht richtig läuft, laufe ordnungsgemäß und der guten Stimmung wegen zu ihm, unterrichte ihn, er lacht und schaut mich an: „Das ist doch nicht unser Bereich! Wir müssen das nicht aufräumen, ist mir doch egal, was da passiert.“ Soviel zum Thema Teamwork, ich hab glaub ich fünf Minuten den Mund nicht mehr zubekommen.

Kurz vor Feierabend wieder ein Besuch vom Boss bei Pete draußen im Feld. Kurze Diskussion, danach kommt er zu mir. Der Boss habe ihn gefragt, warum ich immer noch Trecker fahren würde, ich hätte die Geschichte mit dem Dolly wieder gemacht. Pete hat das sofort verneint, er hätte mit mir gespochen und er wüsste, dass ich das nicht noch mal gemacht hätte. Ja, er solle das ändern, das ginge so nicht weiter. Daraufhin ist er ein bisschen lauter geworden und hat ihm gesagt, dass er niemanden vom Treckerfahren verbannt, nur weil er einmal was falsch gemacht hat. Er hat sich dann überlegt, dass ich in der kommenden Woche wieder im Feld arbeite, damit sich die Lage in der Fabrik beruhigt. „Let the fuckin dickheads calm down.“ Er war auch sehr angepisst, ich hab mich bedankt, dass er sich so für mich einsetzt und wird nächste Woche wieder mehr im Feld arbeiten. Das stört mich überhaupt nicht, aber die Tatsache, wie das zustande gekommen ist, zeigt, dass irgendwer Mist erzählt hat und der kleine Mann seine Macht doch irgendwie durchgesetzt hat. Ich denke, wenn mein Supervisor ein anderer wäre, hätte er mich einfach rausgeschmissen. (An eben dem gestrigen Freitag wurde sieben Mädels aus der Fabrik gefeuert, weil sie zuviel quatschen, zu langsam sind, oder sonstwas)

Ein Witz. Wenn das Ganze noch weitergeht, habe ich mir schon fest vorgenommen, mit einem Lachen den Scheissladen zu verlassen und Tully ganz schnell den Rücken zu kehren - wäre auch nicht die schlechteste Variante, es gibt bestimmt noch andere Jobs an der Ostküste.



Die Welt hat ein Brotproblem. Jetzt nicht im christlich-religiös-katholischen Sinne, sondern faktisch. Wo gibt es richtig lecker duftendes, festes Körnerbrot, ausser in der Schweiz, Österreich und Deutschland? (Und in manchen deutschen, österreichischen oder schweizerischen Bäckereien auf der Welt.)

Eine meiner Tischnachbarinnen bei der Arbeit hatte diese Woche ein richtig lecker aussehendes Brot dabei und ich habe natürlich direkt nachgebohrt. Sie ist Schweizerin, mit einem Australier verheiratet und seit drei Jahren in Tully. Sie backt es selber. Doch anstatt mir anzubieten, eins mitzubringen, hat sie mir am nächsten Tag das Rezept mitgebracht. Perfekt. Eine Aufgabe fürs Wochenende. Und tadaaaaa, so sieht es aus.

Ich denke, ich werde morgen Form und Geschmack optimieren und direkt das nächste backen. Vielleicht gehe ich in Massenproduktion, denn als es fertig war, haben fünf Leute in der Küche probiert und alle waren überzeugt.

Ansonsten kaufe ich an den Wochenenden nach und nach Sachen für meinen Bulli, damit ich, wenn soweit ist, vollends ausgerüstet bin. Heute gabs die Aufhängung für Gardinen für Front - und Heckscheibe.

Fazit: mein Job kann noch richtig lustig werden…

2 Kommentare:

  1. Philipp Cramer11. Mai 2010 um 03:19

    Spackens dort...Erzählen alle was sie wollen und meinen, sie könnten über Dich bestimmmen.
    Fazit: Dicke Elefantenhaut zulegen, seinen Job machen und die Sache nicht zu ernst nehmen ;-)

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  2. Man könnte meinen Du wirst der Joseph Hinkel von Australien. Viel Erfolg beim backen

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